Leben im Hotelzimmer Foto: Pixabay / pexels.com/CC0

Marius, 24: „Ich finde es geil, vier Tage die Woche im Hotel zu leben“

Teilen
61
Twittern

Sein Beruf: Unternehmensberater.

Marius ist 24, gerade mit der Uni fertig und arbeitet jetzt als Unternehmensberater. Es ist für ihn der perfekte Berufseinstieg. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt.

„Ich gehe momentan in meinem Leben voll auf. Zu reisen, unterwegs zu sein, das bockt mich an, das ist das, was ich will. Dafür habe ich mir im Studium den Arsch aufgerissen und werde es auch weiter tun.

Seit Anfang Oktober lebe ich vier bis fünf Tage die Woche in einem Hotel in Bremen. Mein IT-Unternehmen hat dort einen Kunden, und wir sollen für ihn ein neues Logistiksystem einrichten.

In manchen Wochen muss ich zusätzlich noch am Freitag nach Heidelberg in unsere Firmenzentrale – das bedeutet noch eine Übernachtung im Hotel.

Tagsüber ist Marius bei seinem Kunden, abends im Hotel Foto: Miguel Carraca / Unsplash.com CC0

Montags fahre ich von meiner Wohnung im Hamburger Umland nach Bremen. An der Hotel-Rezeption werde ich mit Namen begrüßt: „Hallo Herr B., wie war das Wochenende?” Ein bisschen Smalltalk, aber nichts Verbindliches.

Noch bekomme ich immer unterschiedliche Zimmer, aber wenn ich so wie meine Kollegen länger hierbleibe, habe ich bald ein Stammzimmer.

Mit meiner Freundin ist es schwierig

Das ist aber eigentlich egal. Die Zimmer sind alle gleich, manchmal sind sie spiegelverkehrt oder haben eine Badewanne statt einer Dusche. Ich habe die Regenwalddusche am liebsten, die schätze ich dann besonders, wenn ich am Wochenende unter meiner Normalo-Dusche stehe.

Mit meiner Freundin ist es schwierig. Sehr schwierig. Dass ich immer unterwegs bin, ist bei uns Dauerthema. Es gefällt ihr natürlich überhaupt nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass es irgendwann deswegen ausneinander geht. Ohne Freundin wäre es in jedem Fall unkomplizierter.

In seinem Job ist Marius auch als Berufseinsteiger viel unterwegs. Das ist nicht immer einfach Foto: Skitterphoto / pexels.com/CC0

In meinem Job genieße ich es, dass Kollegen dabei sind, die die gleichen Erfahrungen machen. Die Leute in meiner Abteilung sind maximal zehn Jahre älter. Wir sprechen abends viel über unsere gemeinsamen Erlebnisse.

Dadurch habe ich mehr über Menschen gelernt. Ich habe mich charakterlich entwickelt, ich würde sagen, ich bin dadurch gewachsen.

Wir waren jeden Abend bis Mitternacht an der Hotelbar

Meine Kollegen und ich, wir sind eine coole Truppe. Abends bleiben wir fast nie auf dem Zimmer, immer gehen wir essen oder sogar richtig feiern. Es ist jede Woche das Gleiche in Bremen: ein Abend Essen im Hotel, ein Abend im Restaurant nebenan, ein Abend in der Innenstadt. In der Zeit, seitdem ich hier bin, habe ich sechs Kilo zugenommen.

Am Anfang war ich mit meinem Abteilungs-Mentor sogar jeden Abend bis zwölf, halb eins an der Hotelbar. Da haben wir auch unter der Woche richtig einen gehoben. Menschlich ist das toll. Das macht Spaß.

Es ist alles nicht mehr so aufregend

Man entwickelt allerdings sehr schnell Routine. Meinen Koffer packe ich immer so, dass ich ihn noch nicht einmal ausräumen muss. Der liegt dann aufgeklappt immer an der gleichen Stelle im Zimmer; genauso wie meine Schuhe, meine Kulturtasche, mein Portemonnaie ihren festen Ablageort haben.

Ich schlafe auch immer auf der gleichen Seite im Bett, immer weg vom Fenster – weil ich sonst um das Bett rumlaufen müsste.

Marius kennt die Zimmer in seinem Hotel auswendig Foto: Markus Spiske / Unsplash.com CC0

Früher war das alles aufregend, Übernachtungen im Hotel, auch die Reisen mit dem Auto, mit der Bahn oder mit dem Flugzeug. Ich denke häufiger darüber nach, dass es jetzt nichts Besonderes mehr für mich ist.

Geil ist es trotzdem noch. Es ist wesentlich geiler, als im Büro zu hocken. Aber es ist auch kein Babo-Leben hoch 80.

Inzwischen muss ich teilweise Home Office machen. Nach einer Woche kribbelt es dann schon wieder in den Beinen. Diese Lebensweise, das Unterwegs-Sein, das kitzelt bei mir die letzten Prozent Hingabe heraus. Und damit auch mehr Leistung.

Bisher habe ich durchweg gutes Feedback bekommen. Und in meiner Firma gibt es schon einen Masterplan für mich über die nächsten zwei, in Teilen sogar drei Jahre. Auch das tut gut.”

Themen

Alltag Geld Job
Kommentare anzeigen

Auch spannend