WM für Transplantierte: Wenn du mit einem fremden Herzen Spitzensport treibst

Gerrit-Freya Klebe

Poesie & Politik
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Chantal, Markus und Julian nehmen an den World Transplant Games in Málaga teil Foto: privat

Drei Teilnehmer der Weltmeisterschaften für Transplantierte erzählen.

Vom 25. Juni bis 2. Juli finden in Málaga die „World Transplant Games” statt, schon zum 21. Mal. Dort treten Menschen gegeneinander an, die ein Organ transplantiert bekommen haben – zum Beispiel eine Lunge oder ein Herz.

Dieses Mal werden in Spanien 2.300 Transplantierte aus rund 50 Nationen teilnehmen. Im deutschen Kader sind 60 Sportler, alle zwischen 14 und 70 Jahre alt. Markus, Chantal und Julian sind auch dabei.

Markus Malter, 26, nierentransplantiert: „Für mich ist Gewinnen nicht das Wichtigste”

Markus spielt Tennis, auch gerne mit Chantal zusammen Foto: privat

„Ich kam mit nur einer Niere zur Welt. Das wäre an sich kein Problem gewesen, wenn sie denn richtig funktioniert hätte. Doch meine Niere arbeitete immer schlechter, mit zwölf Jahren weniger als 20 Prozent.

Die Ärzte haben das bei einer Routineuntersuchung festgestellt, nach einer Erkältung war das. Ich kam auf die Warteliste von EuroTransplant und musste eineinhalb Jahre lang zur Dialyse, immer wenn es ging, habe ich Tennis gespielt. Der Sport hat mir Kraft gegeben.

Im Januar 2005 rief meine Ärztin an, ich erinnere mich noch genau an ihre Worte: ,Wir haben eine Niere.‘ Ich konnte es kaum fassen.

Wenig später war ich im Krankenhaus und wurde operiert. Mein Ziel war es, schnell wieder auf dem Platz zu stehen. Doch dann hatte ich eine Lungenentzündung, noch während ich auf der Intensivstation lag, eine Woche nach der Transplantation. Ich habe mich sehr schwach gefühlt.

Markus mit der Medaille bei der EM 2016 in Vantaa Foto: privat

Nach drei Monaten im Krankenhaus konnte ich endlich wieder Tennis spielen. Zwar erst mal nur für 15 Minuten, doch das hat mich ermutigt und ich wusste: Ich kann es schaffen.

Seit der Transplantation lebe ich bewusster, will weniger oberflächlich sein: Ich weiß, dass die Niere nicht ewig halten wird. Meine Werte sind nicht ideal, das waren sie nie, sie sind aber immerhin konstant. Alle zehn Wochen muss ich jetzt zur Kontrolle, zu einem Internisten. Dann wird mir Blut abgenommen und mein Bauch mit Ultraschall untersucht, zusammen dauert das alles eine Stunde.

Am Donnerstag ist dann mein erstes Match bei den World Transplant Games. Natürlich würde ich gerne eine Medaille holen. Aber das ist nicht das Wichtigste für mich: Ich möchte anderen Mut machen. Ich will zeigen, was nach einer Transplantation alles wieder möglich ist und auch den Wartenden zeigen, dass es sich lohnt und dass sie nicht aufgeben sollen.”

Julian Storch, 24, lebertransplantiert: „Für mich ist es normal, 19 Tabletten am Tag zu nehmen”

Julian liebt es, Badminton zu spielen Foto: privat

„Schon kurz nach meiner Geburt haben die Ärzte festgestellt, dass ich krank bin, meine Haut war gelb verfärbt, die Leber kaputt. Nach und nach wurden meine Blutwerte immer schlechter, ich kam auf die Warteliste für ein neues Organ.

Mit sieben Jahren habe ich dann angefangen, Badminton zu spielen. Ich habe dort viele Freunde gefunden und hatte sogar die Chance, in den Bayerischen Leistungskader aufgenommen zu werden. Doch ein paar Tage vor der Sichtung war die Transplantation, mit zehn Jahren hatte man ein passendes Spenderorgan für mich gefunden.

Wenn man an der Leber operiert wird, werden vorne die Bauchmuskeln zerschnitten, das hat mir noch länger Probleme bereitet.

Zwei bis drei Mal pro Woche trainiert er Foto: privat

Ich lag einen Monat im Krankenhaus, und danach fielen mir Dinge schwer, die sonst selbstverständlich waren. Vier Monate nach der Operation hielt ich zum ersten Mal wieder einen Badmintonschläger in der Hand. Ich konnte alle meine Freunde wieder regelmäßig sehen, doch es war nicht dasselbe. Ich hatte mich verändert, war aus der Form, konnte am Anfang kaum übers Spielfeld laufen.

Ein halbes Jahr nach der OP hatte ich dann plötzlich Schüttelfrost und Fieber. Ich hatte Schmerzen, zwölf Jahre lang, immer wieder. Dann haben Ärzte die Ursache gefunden. Sie haben mich operiert und die Gallengänge vergrößert. Das ist jetzt zwei Jahre her, seitdem geht es mir gut.

Aber ich muss immer noch 19 Tabletten am Tag nehmen, wie viele Transplantierte auch. Für mich ist das inzwischen normal geworden. Die meisten davon sollen eine Abstoßungreaktion verhindern, es sind Immunsuppressiva.

Sport mache ich vor allem, um zufrieden und ausgeglichen zu sein. Auf Málaga freue ich mich schon. Dort treffe ich viele Bekannte wieder und kann mich mit ihnen austauschen.”

Chantal Bausch, 24, herztransplantiert: „Ich habe eine zweite Chance bekommen”

Chantal hat ein neues Herz bekommen Foto: privat

„Ich habe mich schon immer gerne bewegt und viel Sport gemacht: Ski, Fahrrad, Tennis, Hockey. Doch mit zwölf bekam ich plötzlich keine Luft mehr und war ständig erschöpft, konnte kaum noch Treppen steigen. Meine Ärztin dachte, es würde mit meinem Wachstum zusammenhängen. Doch so war es nicht.

Meine Mutter hat nicht daran geglaubt und ist mit mir zum Kardiologen gegangen. Der rief dann sofort den Notarzt, ich durfte mich nicht mehr bewegen. Der Arzt hat nicht mehr daran geglaubt, dass ich am nächsten Morgen noch aufwachen würde. Ich bekam viele Medikamente, aber keines konnte mir wirklich helfen.

Über Monate musste ich still im Bett liegen, um mein Herz nicht zu überanstrengen.

Chantal ist dankbar für die zweite Chance Foto: privat

Die Herzmuskelentzündung hat mein Herz stark beschädigt. Im Deutschen Herzzentrum in Berlin musste ich wiederbelebt werden und bekam ein künstliches Herz.

Im Juni 2005 kam dann der Anruf: Sie haben ein passendes Spenderorgan für mich gefunden. Ich bin wieder gesund geworden, mein Puls darf beim Sport jetzt nicht mehr höher als 180 sein. Ich habe eine zweite Chance bekommen. In Málaga will ich zeigen, dass ich wieder ein ganz normales Leben führen kann.”

Quelle: Noizz.de

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